Coprinus comatus oder Schopftintling

tl_files/images/vitalpilze_de_coprinus.jpgHerkunft

  • vor allem Mitteleuropa, wild wachsend im Wald, in Gärten und auf Wiesen
  • Kultivierung in Asien

Geschichte

Der Schopftintling ist einer der wenigen Vitalpilze, deren Wirkkräfte nicht von der Traditionellen Chinesischen Medizin, sondern in Europa entdeckt wurden. Hier wächst er nicht nur im Wald und auf Wiesen, sondern ist oft auch in Gärten und an Wegesrändern zu finden. Der eiweißreiche Pilz, der viele essenzielle Aminosäuren und eine große Anzahl verschiedener Mineralstoffe und Spurenelemente enthält, ist bei Sammlern aufgrund seines spargelähnlichen Aromas sehr beliebt. 

Verwendung

  • Senkung des Blutzuckerspiegels bei Diabetes P/E
  • Verbesserung der Durchblutung P/E
  • Förderung der Verdauung P
  • begleitende Therapie bei Sarkomen E
  • Hemmung von Brustkrebszellen E

Besonderheit

Der Schopftintling verbreitet sich mit Hilfe einer schwarzen Flüssigkeit, in der die Sporen vom Hut aus auf den Boden tropfen. Diese Flüssigkeit wurde früher als Schreibtinte benutzt und gab dem Pilz seinen deutschen Namen.

Bioaktive Inhaltsstoffe

Wie alle Vitalpilze enthält Coprinus eine ausgewogene Vitamin- und Mineralstoffzusammensetzung und liefert damit einen wichtigen nutritiven Beitrag in der täglichen Ernährung. Von therapeutischem Interesse sind der hohe Gehalt an Lektinen sowie das enthaltene L-Ergothionin. Als potentielle Wirkstruktur konnte vor kurzem in Coprinus comatus das Polysaccharid Fucogalactan identifiziert werden.

Die Wirkungsmechanismen der Inhaltsstoffe

Zellaktive Lektine

 Lektine sind komplexe Proteine oder Glykoproteine, die spezifische Kohlenhydratstrukturen binden und dadurch in der Lage sind an den Zellmembranen anzudocken und von dort aus biochemische Reaktionen in der Zelle auszulösen. Lektine können verschiedene Stoffwechselvorgänge wie die Zellteilung, die ribosomale Proteinbiosynthese, die Agglutination von Zellen oder das Immunsystem beeinflussen. Eine vergleichende Untersuchung konnte zeigen, dass Coprinus comatus die höchste Lektinaktivität unter den Speise- und Vitalpilzen aufweist2. Spezifische, noch nicht identifizierte Lektine könnten somit die Wirksubstanzen sein, die für die Erfolge in der traditionellen Anwendung verantwortlich zeichnen.

Antioxidatives L-Ergothionein

 L-Ergothionein ist ebenfalls ein bioaktiver Inhaltsstoff von Speisepilzen3, über dessen genaue Funktionen im menschlichen Organismus jedoch noch Unklarheit herrscht. Im Tierversuch konnte eine starke antioxidative Schutzwirkung auf die mehrfach ungesättigten Fettsäuren in den Zellmembranen dokumentiert werden4. Der protektive Effekt von Ergothionein wird ebenfalls auf seine antioxidativen Eigenschaften zurückgeführt5. Auch eine positive Beeinflussung von entzündungsfördernden Zytokinen wurde nachgewiesen6.

Antikanzerogen Effekte bei hormonabhängigen Tumoren

 Neue Studien belegen, dass definierte Coprinus- Inhaltsstoffe in der Lage sind, die Rezeptorstellen für Sexualhormone an Tumorzellen zu blockieren. Damit können Zellaktivitäten von hormonabhängigen Krebsarten wie Brust- oder Prostatakrebs beeinflusst werden7.

Präventiver und therapeutischer Einsatz

Haupteinsatzgebiet von Coprinus comatus ist die begleitende Diabetes- Therapie. 
Im Tierversuch zeigen sich nach Coprinus- Gaben deutliche Verbesserungen der diabetischen Parameter wie Blutzuckerspiegel und Glukosetoleranz8. In früheren Untersuchungen wurde neben dem hypoglykämischen Effekt auch eine Veränderung des Gesamtstoffwechsels und eine daraus resultierende Gewichtsreduktion beobachtet9.
Der antidiabetische Effekt wird durch die hemmende Wirkung von Coprinus comatus auf Glykosilierungsprozesse verstärkt10, wodurch sich ein Schutz vor diabetischen Spätfolgen wie Mikro- und Makroangiopathien ergeben könnte.

1Fan JZhang JTang QLiu YZhang APan Y: Structural elucidation of a neutral fucogalactan from the mycelium of Coprinus comatus. Carbohydr Res. 2006 Jul 3;341(9):1130-4

2Mikiashvili N, Elisashvili V, Wasser S, Nevo E: Comparative Study of Lectin Activity of Higher Basidiomycetes. DOI: 10.1615/ IntJMedMushr.v8.i1, 2006.

3Ey JSchömig ETaubert D: Dietary sources and antioxidant effects of ergothioneine. J Agric Food Chem. 2007 Aug 8;55(16):6466-74

4Deiana MRosa ACasu VPiga RAssunta Dessí MAruoma OI: L-ergothioneine modulates oxidative damage in the kidney and liver of rats in vivo: studies upon the profile of polyunsaturated fatty acids. Clin Nutr. 2004 Apr;23(2):183-93

5Guijarro MVIndart AAruoma OIViana MBonet B: Effects of ergothioneine on diabetic embryopathy in pregnant rats. Food Chem Toxicol. 2002 Dec;40(12):1751-5.

6Sakrak OKerem MBedirli APasaoglu HAkyurek NOfluoglu EGültekin FA: Ergothioneine Modulates Proinflammatory Cytokines and Heat Shock Protein 70 in Mesenteric Ischemia and Reperfusion Injury. J Surg Res. 2007 Jun 29; [Epub ahead of print]

7Zaidman BZWasser SPNevo EMahajna J: Coprinus  comatus and Ganoderma lucidum  interfere with androgen receptor function in LNCaP prostate cancer cells. Mol Biol Rep. 2007 Mar 13; [Epub ahead of print]

8Han CYuan JWang YLi L: Hypoglycemic activity of fermented mushroom of Coprinus  comatus rich in vanadium. J Trace Elem Med Biol. 2006;20(3):191-6

9C. J. Bailey, Susan L. Turner, K. J. Jakeman, W. A. Hayes: Effect of Coprinus  comatus on plasma glucose concentrations in mice. Planta Med 1984; 50: 525-526

10Wang F, Ding ZY, Zhang KC: Inhibitory Effects of fermented broth of coprinus comatus feeding with different traditional Chinese medicines on alpha- glucosidase and non-enzymatic glycosylation. Chinese Journal of Pharmaceuticals 2006